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Mountainbike Marathon in Pfronten
Steile Anstiege und ruppige Abfahrten
Feuerwehrmänner aus dem Limpurger Land beim Mountainbike Marathon in Pfronten
Fährt man im Schwäbisch-Fränkischen Wald mit dem Mountainbike, gibt es selten Anstiege mit mehr als 200 Höhenmetern und die Trails sind oft matschig und mit Baumwurzeln gespickt. Ganz anders ist das wenn man in Pfronten im Allgäu Mountainbikerennen fährt:  Die Anstiege sind lang, bis zu 800 hm am Stück und Steil, bis zu 25 % an den steilsten Stellen, über lange Abschnitte 16 % im Mittel. Die Abfahrten sind lang, es gibt 180-Grad-Kehren, und lange Abschnitte sind mit grobem Schotter und Geröll gepflastert, die den Fahrern alles abverlangen. Einige Mountainbike-begeisterte Feuerwehrmänner aus Oberrot und Gaildorf haben sich am Samstag dem 23.Juni dieser Herausforderung gestellt und am 9.MTB-Marathon in Pfonten teilgenommen.
So hat Martin Friedl von der Feuerwehr Gaildorf das Rennen erlebt:
Es ist kurz nach 10 Uhr, nur noch wenige Minuten bis zum Start der Marathonstrecke. 400 Starter drängeln sich mit Ihren Bikes hinter der Startlinie. Aus den Boxen wummert aufputschende Rockmusik, der Sprecher gibt noch ein paar Verhaltensregeln durch, dann folgt der Countdown. Startschuss. Das Feld setzt sich in Bewegung. Auf der abgesperrten Bundesstraße geht es zunächst rund 500 m geradeaus bevor die Strecke rechtwinklig nach rechts in einen Schotterweg abzweigt. Es geht eng zu, aber niemand stürzt. Jetzt geht es das erste Mal bergauf. Auf dem Waldweg wird eifrig überholt, jeder sucht eine gute Position. Puls 170, eigentlich viel zu hoch! Aber keiner geht vom Gas. Nach rund 170 Höhenmetern die erste Abfahrt: Über faust- bis handballgroßen Schotter und Geröll geht es bergab. Gut, dass wir diesen Abschnitt am Vortag schon mal abgefahren sind, so ist es einfacher eine gute Linie zu finden. Es rüttelt so, dass einige Teilnehmern eine Trinkflasche verlieren. Nach wenigen 100m geht es über einen Schotterweg weiter bergab, bevor der Belag auf Teer wechselt. Nun heißt es eine gute Gruppe zu erwischen um im Windschatten schnell und kraftschonend vorwärts zu kommen. Zusammen mit einem anderen Fahrer schließe ich zu einer Gruppe auf und wir fahren mit Tempo 35 über abgesperrte Wohnstraßen am Ortsrand von Pfronten vorbei. Auch vielen Zuschauer an der Strecke verleiten uns dazu viel zu schnell zu fahren: Immer noch Puls 160 bis 170, der Puls wird wohl das gesamte Rennen kaum weiter absinken. Nach ca. 8 km endet die rasante Fahrt durch die Eben schlagartig, denn nach einer 120 Grad Linkskurve geht es direkt in eine 18% steile Rampe und die Auffahrt zum Edelsberg beginnt. Runter schalten in den ersten Gang, Rhythmus finden, versuchen einen runden Tritt beizubehalten, aber nicht alle Körner gleich am ersten Berg zu verpulvern. Nach insgesamt 16  km ist die erste Verpflegungsstation erreicht: Schon von weitem hört man die Musik von ACDC aus den Boxen vor der Hütte, das mobilsiert neue Kräfte. Die Strecke führt rund um die Hütte, direkt über die Gästeterrasse, links und rechts stehen Biertischgarnituren besetzt mit Zuschauern. Nach der Verpflegung wird es nochmal steil und auch ein wenig technisch. Nach zwei kurzen Schiebepassagen ist ca. bei Kilometer 20 der Gipfel des ersten langen Anstiegs erreicht und wir stürzen uns in einem 6er-Pulk in die Abfahrt. Kurz geht es wieder über Geröll, danach dann über geschotterte Forstwege später über ein Teersträßchen ins Tal. Meine Spitzengeschwindigkeit in dieser Abfahrt beträgt 62 km, auf Schotter! Gut, dass vor den Kehren Streckenposten stehen, damit man rechtzeitig herunterbremst. Vor der Anstieg zum Himmelreich passieren wir nochmals eine Verpflegungsstation, allerdings ohne Tempo rauszunehmen. Nun geht es ca. 4 km lang bergauf, es gilt ca. 350 Höhenmeter zu überwinden. Auch dieser Anstieg ist in einigen Abschnitten sehr  steil. Die Abfahrt bietet dieses Mal keine Möglichkeit zur Erholung: Über grobes Geröll geht es steil bergab. Diese Rüttelstrecke scheint kein Ende zu nehmen, in den Waden zwickt es. Man versucht das Bike einigermaßen zu kontrollieren und eine gute Linie zu finden. Geschwindigkeit stabilisiert. Plötzlich rennt von rechts eine Kuh Richtung Strecke, dreht aber gerade noch rechtzeitig ab. Unten im Achtal geht es nun ein Stück eben auf einem geteerten Radweg. Kräftesammeln für den langen Schlussanstieg. An der letzten Verpflegung bei Kilometer 39 fülle ich meine Trinkflasche und nehme noch ein Stück Banane mit. Kurz danach biegt die Strecke in Auffahrt auf den Breitenberg: Auf einer Strecke von rund 6 km gilt es nochmals 700 Höhenmeter zu bezwingen. Der Anstieg liegt in der prallen Sonne und  ich spüre, dass schon einige Kilometer und Höhenmeter in meinen Beinen stecken. Die Breitenbergtrommler eine Art Guggenmusik, feuern uns nochmal kräftig an. Danach wird es zäh. Der Berg mag kein Ende nehmen und die ersten Wadenkrämpfe stellen sich ein. Auch der Rücken schmerzt. Warum macht man das freiwillig? Am höchsten Punkt angekommen, beantwortet sich diese Frage von selbst: Der Körper wird geflutet von Glückshormonen. Nun in der abschließenden Abfahrt keine Zeit mehr verlieren aber auch nicht stürzen. In knapp 17 Minuten fahre ich die Strecke hinunter ins Tal und überquere glücklich die Ziellinie.
Auf der Marathonstrecke (53 km / 1900 hm/ 385 Finisher) kamen folgende Feuerwehrmänner aus dem Limpurger Land ins Ziel: von der Feuerwehr Gaildorf: Martin Friedl in einer Zeit von 3:20:02 h, belegte in der Gesamtwertung Platz 133 und in der Altersklasse M Platz 43,  Reinhard Gesierich (363. / 4:49:40/AKIII 46.) und Ralph Munz (366. / 5:01:41/ AK M 117.). Von der Feuerwehr Oberrot: Simon Feucht in 4:03:23 auf Platz 278 bzw. Platz 69 in der Altersklasse G. Auf der Kurzstrecke (26 km / 960 hm / 179 Finisher) finishte Markus Mayr von der Feuerwehr Oberrot in 2:21:43 h und belegte damit in der Gesamtwertung Platz 155 und Platz 33 in der Altersklasse M auf dieser Distanz). Wegen Defekten mussten die Oberroter Manuel Pfitzenmaier (Marathonstrecke)  und Uwe Schmidt (Kurzstrecke) das Rennen vorzeitig beenden.



Ralph Munz auf der Abfahrt vom Breitenberg

erstellt: 12.07.2012

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